Kulturverein Blankenfelde e.V.
Kulturverein Blankenfelde e.V.

Kein Geleitwort

von Bernd Heimberger

 

Ich weiß, ich weiß! Ein Geleitwort ist was Gräßliches. Es ist der klassische Langweiler. Inkompetente Leute schwafeln inkompetentes Zeug. Das soll dann der Schmuck einer Publikation sein. Den muß sich der Kulturverein nicht an die Brust heften. Wirklich nicht! Was also tun? Statt eines Geleitwortes ein einleitendes Wort? Aber ja doch!

 

Die Erinnerung klettert zurück. Hinunter in das Jahr 1991. Hinein in den November des Jahres. Am ersten Tag des Monats war im gut besetzten Gemeindesaal der Verwaltung der Kulturförderverein Blankenfelde/Mahlow gegründet worden. Endlich! Kultur sollte sein. Meinte der Bürgermeister Dietmar Klemt. Meinte der Gemeindevertreter Dr. Horst Thiele. Meinte auch ich, der Bürger Bernd Heimberger. Wer aber sollte die Kultur fördern? Wer, wenn es kein Kulturamt gab? Wer, wenn die Kultur vom Sozialamt „betreut“ wurde? Wer, wenn nicht ein Kulturverein? Also her damit! Leichter gesagt, denn getan! Es brauchte zehn Monate bis die Gründung gelungen war. 479 Jahre nach der Enthüllung der Deckenfresken von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle. Das war schon mal was. Wenn wir´s nur gewußt hätten. Damals. Am 1. November 1991.

 

Zu erinnern ist, was der Gründungsstunde folgte. Aus der gingen fünf Personen mit der Gewißheit heraus, der einstimmig gewählte Vorstand des Vereins zu sein. Was was bedeutete? Wer der Fünf wußte, was ihn erwartete? Wer? Zunächst mußte sich der Vorstand abermals im Gemeindesaal einfinden. Der Saal wirkte noch kahler und abweisender, weil fünf Leute dem faden, kühlen Raum keine angenehme Atmosphäre einhauchen konnten. Verloren, verlassen gruppierten sich die Fünf um die tristen Tische. Von Freude keine Spur. Jetzt wurde es ernst. Wer, im Vorstand, wird was machen? Das war die Frage in die geduckte Runde. Horst Thiele redete, redete, redete. Setzte dann einen Moment die Brille ab. Guckte auf die vor ihm liegenden Papiere. Dann kam sein Vorschlag, Bernd Heimberger zum Vorsitzenden des Kulturfördervereins zu wählen. Überraschung. Schweigen. Erwartungsvolle Blicke. Ich mußte nicht lange nachdenken. Wußte, dass jetzt der Moment war zu gehen. Mußte ich Mitglied des Vereins sein? Mußte ich nicht. 1977 war ich aus dem einzigen Berufsverband ausgetreten, in dem ich noch war. Geschworen hatte ich mir, niemals wieder in einen Verein einzutreten. Nicht mal in einen Musikverein. Und nun das! Was den vier Mitstreitern erklären? Nichts, gar nichts. Ich sagte: Nein! Das war nicht erwartet worden. Eh wir uns versahen, begründete Dr. Arno Neumann, weshalb er gar nicht erst gefragt werden muß. Die beiden Frauen, Helga Hinz und Heike Richter-Focke, Mitarbeiterinnen der Gemeinde, sollten nicht in Versuchung gebracht werden. Gut, dass die Gemeinde so direkt dabei war, doch mehr Direktheit sollte nicht sein. Wie aus der Zwickmühle herauskommen? Bernd Heimberger schlug Horst Thiele vor. Noch berufstätig, ahnte er die Belastung. Halb abwehrend, halb bereit äußerte er, den Vorsitz für ein, zwei Jahre anzunehmen, sofern – und nun kam´s – Bernd Heimberger den Stellvertreter macht. Gabs keine andere Alternative in der Stunde des Anfangs? War das die Alternative? Zwei Jahrzehnte später frage ich mich, weshalb bin ich nicht aufgestanden? Weshalb habe ich mich nicht geohrfeigt, um mich zur Besinnung zu bringen? Noch heute weiß ich die Antwort nicht. Ich weiß: Das Provisorium bekam Dauer wie das so oft mit Provisorien ist.

 

Horst Thiele und Bernd Heimberger gewöhnten sich an ihre Funktion und die Form ihrer kooperativen Zusammenarbeit. War der Eine der Organisator, war der Andere der Gestalter. Und niemand merkte, dass ich nicht Mitglied des Vereins war. Das ist ein pittoresker Aspekt der Geschichte des Kulturvereins. Was sagt das: Man kann auch was werden oder sein, ohne ein Eingeschriebener zu sein. Vorausgesetzt, man ist bereit für´s Tun. Als mein Status offenbar wurde, verpaßte ich die „letzte“ Gelegenheit, um abzuhauen, um zum puren Besucher des Vereins und seiner Veranstaltungen zu werden.

 

Wie aber hätte ich meine Verläßlichkeit hintergehen sollen, die mir so oft nachgesagt wird? Kräftig genug auf die eigene Schulter geklopft? Wie aber kürzer erklären, weshalb ich am Kulturverein kleben blieb? 1998 wurde ich Mitglied im Verein, der nun nicht mehr Kulturförderverein/Mahlow hieß. Die Änderung hatte ich, gewissermaßen als Voraussetzung für meine Mitgliedschaft, durchgesetzt. Wenn ich schon meinen Schwur von 1977 brach, dann unter der Bedingung, daß nicht Illusionen, sondern realisierbare Ideen den Verein bestimmen. Viele Ideen sind sichtbare Wirklichkeit geworden in der zweiten Hälfte des nunmehr zwanzigjährigen Kulturvereins Blankenfelde. Zum Vorteil von Blankenfelde. Und zwar für weitere Jahrzehnte, sofern nicht vergessen wird, Ideen, Ideen, Ideen wahrzumachen.

 

Wenn das kein Geleitwort ist, ist´s ein Geleitsatz, von dem sich die Nachkommen leiten lassen könnten. Oder, besser noch, sollten! Wer hat was dagegen? Wer? Was?

 

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